Die 5 Stimmregister

Bei jeder Stimme entdeckt man Tongruppen, die die gleiche Klangfarbe, Resonanz und Stimmlippenkoordination haben. Die Einteilung in Brust- und Kopfstimme ist stark vereinfacht, und beschreibt die sängerische Realität zu wenig differenziert.

Man kann 5 Stimmregister (von tief nach hoch) unterscheiden:

1.Vocal Fry – 2.Brustimme

3.Mix

4.Kopfstimme – 5.Pfeifstimme

  1. Schnarrstimme: Vocal Fry oder „Brutzelstimme“ genannt: Sie ist die tiefste Stimme und reicht teilweise bis zu den tiefsten Tönen des Klaviers. Das Schnarren muss dabei eine genaue Tonhöhe erreichen, was durch emotionale Programmierung der Stimme entsteht: z.B. durch Mitleid „No“ das von oben nach unten ins Schnarren gleitet. Probieren sie es gleich aus! Ich singe hier bis zum Subkontra G
  2. Brustimme: Wird wissenschaftlich als „Vollschwingung“ der Stimmlippen beschrieben und ist die am meisten gebrauchte Stimmlage im Bereich der Sprache: Sprechen sie z.B. „Hey“ in ihrer tiefen sogenannten „Indifferenzlage“ – das ist die ideale leistungsfähigste „Sprechstimmlage“, die typischerweise ca. 3-4 Töne über der unteren Stimmgrenze der Brustimme liegt. Die verstärkende Resonanz im Mundraum und im Brustkorb ist untrennbar mit dieser vollen Schwingung der Brustimme verbunden.
  3. Mix oder Gemischte Stimme genannt: Sie ist die raffinierteste Stimmqualität mit dem grössten Tonumfang, weil sie die Fülle der Brustimme und die hohen feinen Töne der Kopfstimme kombiniert. Man könnte als Kopfstimme mit mehr Edges (Ränderanteil der Stimmlippen) oder als schlankere Brustimme bezeichnen. Äussert wichtig ist dabei die Mix-Resonanz, die die Stimme vor allem im Bereich des Rachenraumes („Voce faringea“ oder „Pharyngeal Voice“ genannt) verstärkt.  Probieren sie „Singing“ immer wieder zu wiederholen und tief in der Brustimme zu beginnen und zur Kopfstimme nach oben zu gehen, ohne den Resonanzplatz im Rachenraum zu verlieren. Bitte beachten sie, dass der Zungengrund (Digastricus Muskel) dabei entspannt bleibt … Das ist gar nicht so einfach … Ich kann es ihnen gerne in einer persönlichen Lektion zeigen… Das folgende Hörbeispiel zeigt mein hohes C der Tenorstimme im vollen Mix:
  4. Kopfstimme: Wird wissenschaftlich als „Randschwingung“ der Stimmlippen beschrieben. Auch Frauenstimmen, die 2/3 ihres Stimmumfanges in dieser Stimmlage haben, sprechen heutzutage kaum mehr in dieser hohen Stimmlage. Das hat mit der Emanzipation der Frau zu tun und auch mit der hormonellen Entwicklung der Menschheit. (Stimmbruch, Mutation, Menstruation usw. beginnen immer früher). Sprechen sie bitte ein „Hui“ in einer sehr hohen Stimmlage. Stellen sie sich vor, dass sie wie ein Kind auf einer Schaukel, oder einer Rutschbahn vor Freude juchzen. Die verstärkende Resonanz im Nasenraum und im Kopfbereich (Nebenhöhle, Stirnhöhle …) ist untrennbar mit dieser zarten Schwingung der Kopfstimme verbunden. Das nächste Hörbeispiel zeigt, wie ich von der Kopfstimme zur Pfeifstimme gehe:
  5. Pfeifstimme oder Whistle Voice: ist die höchste aller Register bzw. Stimmschwingungsarten und wird dadurch erreicht, dass die Stimmlippen wie bei einem Reissverschluss nicht in ihrer vollen Länge schwingen, sondern nur zum Teil (z.B. nur 2/3). Es entsteht dadurch ein pfeifartiger, gequietschter Klang, der extrem hoch- fast bis zum oberen Ende des Klaviers reicht. „Erfinderin“ dieser höchsten Stimmlage ist Minnie Riperton, weil sie diesen Stimmklang in der modernen Popmusik zum ersten Mal erfolgreich einsetzte. Der allererste Einsatz offizielle der Pfeifstimme muss man allerdings W.A. Mozart zuschreiben. Er hat diese Töne in der Arie der Königin der Nacht zum ersten Mal verwendet.

Die 4 Oktaven Tonumfang sind nur durch beherrschen aller 5 Stimmregister möglich:

Nachtrag: 

Die Falsettstimme: ist eine Art von Kopfstimme, die nicht ganz „dicht“ ist… Sie kommt vom Italienischen „falso“ und hat im Gegensatz zur „gestützen Kopfstimme“ oder „dichten Kopfstimme“ den grossen Nachteil, dass sie „nicht ganz dicht“ ist. Sie ist ähnlich wie die Flüsterstimme oder die Mutations-Stimmbruchstimme eine eher schädliche Stimmfunktion. Sie kann aber künstlerischen Wert haben, wenn eine luftige hauchige hohe Stimme aus Gründen des Ausdrucks erwünscht ist.

Im nächsten Video wird die Stimme in 4 Register eingeteilt: Es fehlt der Mix … aber die Informationen über „Vocal Fry“ sind wertvoll:

Es gibt auf Youtube zahlreiche Stimmlippen-Videos, die sehr interessant und aufschlussreich sind. Manche Menschen empfinden diese wissenschaftlichen Aufnahmen befremdlich und abstossend, weshalb ich hier auf diese Videos verzichte.

Sie können selbst entscheiden…

Hilfreiche Youtube-Suchbegriffe sind:

„Glottal Opera“, „What is vocal fry?“  „Speech-Language Pathology: The Vocal Cords in Action“

Die beste hochauflösende Darstellung der Randkantenverschiebung („Glottal Cycle“) der Stimmlippen während der Phonation (Stimmgebung) finden Sie unter dem Suchbegriff: „The Vocal Folds – The Science of Singing“

Wenn Sie ihren HNO (Hals-Nasen-Ohren)-Arzt bei einer Untersuchung fragen, kann er auch einen Film von ihren Stimmlippen erstellen. Das kann beim Berufswunsch „SängerIn“ durchaus wichtig sein.

Spezielle Stimmärzte nennt man „Phoniater“

English Version:

VOCAL REGISTER

Grouping of notes that are made with the same vocalcord coordination and have the same sound. Chest and head voice are over simplified. It should sound as if you have only one register. Vocal registers are defined through the 5 vocal areas that sound similar:

1.Vocal fry 2.Chest

3.Mixed

4.Head 5.Whistle voice

Debatable registers are: Falsetto and Whisper Register since they lack compression and cord closure. The two have artistic value.

1. CHEST VOICE

The general speaking sound. The vocalcords vibrate in their full length. The sound is deep, thick and resonates mainly in the chest and mouth. Male and female example of „All of me“

Say: „Hey“ and feel that it resonates in the chest and in the roof of the mouth.

Typical: Thick fleshy vocal cord vibration with mainly chesty and mouthy resonances

2. HEAD VOICE

The sound that resonates primarily in the head or nasal cavity. It is the highest part of your natural range, sometimes producing a soft or hooty sound. It is often confused with falsetto. The biggest difference is that it is lighter than chest voice, but not breathy or airy. It can easily connect with chest voice. Falsetto often lacks connection to the chest voice. Head voice has less musculature than chest voice and gets easier into high notes. Male and female example of „All of me“.

Say: OOEEEH (like the french „OUI“)

Typical: thin edgy vocal chord vibration with mainly heady resonances

FALSETTO

The lightest of all sounds, but it is often breathy and airy because of the lack of connection. If the pressure on the vocal chords becomes too strong, the singing system releases the tension into a lighter coordination of less musculature involved, which often results in a uncontrollable flip into head voice. It sounds broken and should be used as an effect.

Typical: thin, usually not connected, breathy, often collapsed headvoice variation.

3. VOCAL FRY

It’s deeper than chest voice and lets the vocal cords vibrate very slowly.

Often helpful for vocal therapy: Start in vocal fry and slowly go up to the head voice.

It brings emotions to the sound. Song example and Bill Clinton: „Hey Ladies. I love you“.

Male and female example: „I love you“.

Typical: very relaxed deepest singing tones with good cordclosure of the edges.

4. WHISTLE REGISTER

Very uncommon register but builds confidence and is a crowd pleaser. Like the Queen of the night in The Magic Flute and Minnie Riperton or „Loving you“ by Mariah Carey. The vocal cords zip up and only a small opening vibrates.

Typical: highest singing register with 2/3 zipped up vocal cords

5. MIXED or MIDDLE VOICE / Register

Blend of head and chest register without the chestvoice pulling up. It puts out richer frequencies.

Typical for THE MIX: Structure of the vocal cords are like in head voice, but there is a deeper compression, an edgier sound and the vibration goes deeper into the cord with more presence.

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