Zungenposition

Die Zunge ist der beweglichste Aspekt der Stimmbildung: Die Zungenbewegungen werden bereits als Baby durch den Saugreflex trainiert. Die Sprachprägephase in der Kindheit definiert die für den Dialekt typischen Zungenbewegungen. Viele Bewegungen sind äussert Komplex und bedürfen besonders intensives Training:

In dieser Skizze sieht man einige typische Zungenpositionen der Vokale.

Viele Bewegungen der Zunge sind uns nicht bewusst, sind aber für die Stimmbildung sehr wichtig.

Die meisten Menschen heben z.B. beim Öffnen des Mundes gleichzeitig die Zunge, wodurch die Form eines „Zungenhügels“ entsteht, der bei einer Arztuntersuchung zum Einsatz des berühmten „Stäbchens“ führt. Der Arzt drückt mit dem Stäbchen die Zunge flach, um die Mandeln und den Rachenraum kontrollieren zu können.

Die häufigsten Zungenpositions-Fehler sind:

Beim Singen des Vokales „A“ muss die Zunge eine flache Form haben. Das muss explizit geübt werden, sonst klingt die Stimme dumpf oder „knödelig“.

Eine der prominentesten Gesangsübungen in fast allen Gesangsschulen ist das Lippenflattern. Man könnte sie als „BBB“ beschreiben. Diese Übung ist zurecht sehr verbreitet, weil sie das Ventil der Stimme entlastet, indem das Flattern an die Lippen verlegt wird. Es ist auch eine wunderbare Atemschulungsübung. Wichtig ist, dass hinter dem Flattern der Lippen die Zunge zu einem „U“ geformt wird.

Falls man sich mit dem Lippenflattern wie Anne Hathaway schwer tut, kann man auch das „Zungen-R“ verwenden. Manche bezeichnen sie als „Kutscher-R “ weil es zur Beruhigung von Pferden verwendet wird. In südländischen Sprachen wird das „R“ oft gerollt. Es ist nicht sinnvoll das „Gaumen-R“ in dieser Übung als Ersatz zu verwenden, weil es eine ganz andere anatomische Eigenschaft hat.

Auch beim Zungen-„R“ sollte man im Hintergrund einen „U“ Klang hören, um die Kehlkopfposition nicht zu hoch werden zu lassen.

Das Thema „Zungenposition“ wird uns noch oft begegnen, weil die Zunge täglich tausende Male durch die Schluckbewegung trainiert wird, und dadurch der stärkste Artikulationsmuskel ist. Die Schluckbewegung ist aber nicht die beste Bewegung, um hohe, tiefe, laute, leise, ausdrucksvolle Töne mühelos zu erzielen…

Kein Wunder, denn die Verengung des Ansatzrohres führt zu einem Klang, der auch den stimmlich unerfahrenen Zuhörer an einen „Würgelaut“ erinnert.

Am meisten fasziniert es, wenn ein hoher lauter Ton mühelos geöffnet kraftvoll strahlend das Herz des Zuhörers erfreut.

Prinzipiell sollte die Zunge bzw. die Zungenspitze beim Singen sooft wie möglich die Position an den vorderen unteren Schneidezähnen finden und behalten.

Übung: Kontrolliere mit einem Spiegel die Zungenposition beim gesprochenen oder gesungenen Vokal „A“

Übung: Lass die Lippen oder die Zunge zuerst stimmlos flattern. Flattere anschliessend stimmhaft mit den Lippen oder mit der Zunge und verbinde sie mit den Vokalen in folgender Reihenfolge:

„BBU BBO BBA BBE BBI“ oder

„RRI RRE RRA RRO RRU“

Übung: Lippenflattern (gleichzeitig mit dem Vokal „U“ im Hintergund) auf der Rossini Skala: 1-3-5-8-10-12-11-9-7-5-4-2-1

Eine Schülerin von mir hat diese Übung bis zur doppelt so hohen Ton der Königin der Nacht geschafft:

Ein WUNDER ?

Nein unglaublich gute Gesangstechnik:

Übung: „Zunge stülpen“ ist ein sehr gutes Zungentraining, um die richtige Bewegung zwischen den Vokalen „A“ und „E“ zu üben.

Grundposition: Mund öffnen, Zunge flach machen, Zungenspitze an den Schneidezähnen platzieren.

Stimmklang beginnt mit dem Vokal „A“ und stülpt sie für den Vokalwechsel zum Vokal „E“ oder wenn es noch effektiver sein soll zum Vokal „Ä“

also: „A-Ä-A-Ä-A-Ä-A-Ä-A“ Melodie: 123454321

Diese Übung muss „reckless and ugly“ also „rücksichtslos hässlich“ tönen. Sie lehrt die richtigen, wichtigen Zungenbewegungen und stärkt den Stimmschluss beim Öffnen des Mundes.

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