Lippen- & Zungenflattern „BBB“&“RRR“

Das stimmhafte Lippenflattern „BBB“ wird auch „Blubbern“, „Pferde-B“, „Lippen-R“, „Lippentriller “ oder „Lip-Trill“ genannt und ist wohl eine der am weitesten verbreiteten Gesangsübungen. Sie kommt in fast allen Gesangs- und Sprechtechniken vor.

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Der Grund für diese grosse Popularität ist, dass das stimmhafte Lippenflattern zunächst eine sehr wirksame stimmliche Lockerungsübung ist. Ausserdem hilft es die Ventilfunktion der Stimmlippen zu entlasten, und die Stimmlippen in ihrer „Primärschwingung“ als „Klangerzeuger“ zu trainieren. Das atemdosierende Ventil ist beim Flattern nicht mehr im Hals, sondern vor den Zähnen.

  1. Die Stimme hat nämlich oft eine sehr druckvolle primäre Ventilfunktion beim Husten,  „Toilettengang“, „Heben von schweren Gegenständen“, bei den Geburtswehen „Pressen“, usw. zu leisten.
  2. Die stimmliche Schwingung des Ventils ist eigentlich eine sekundäre Funktion, und dient zunächst dafür durch Laute vor Gefahren zu warnen.
  3. Die tertiäre Funktion bzw. „Luxusfunktion“ der Stimmlippen ist das Singen. Es dient der Kommunikation und der unglaublich differenzierten Klangfarbengestaltung, die den Seelenzustand einer Person hörbar macht.

Singen ist eine tiefe Notwendigkeit der Seele.

Es kann also seelische „Not ab-wenden“… sozusagen: „Seelenhygiene“

Nicht jeder kann dieses Lippenflattern mit Stimme herstellen. Dann hilft z.B. wie im oberen Bild ersichtlich, wenn man die Wangen mit Daumen und Zeigefinger leicht nach oben schiebt. So wird das Flattern leichter gelingen.

Wenn jemand (wie Oscar-Gewinnerin Anne Hathaway im folgenden Video) den „Lip-Trill“ nicht findet, dann kann man stattdessen auch das „Zungen-R“ probieren, das auch „RRR“, „Zungenflattern“, „Tauben-R“, „Gurren“ usw. genannt wird.

Wichtig ist es bei der Ausführung des Flatterns darauf zu achten, dass „hinter“ dem Lippen- oder Zungenflattern der Vokal „U“ bzw. ein gesenkter Kehlkopfklang beibehalten wird. Hohe Töne können so „light and right“ mit der inneren Muskulatur aktiviert und trainiert werden. Denn mit Druck erzwungene Töne sind ungesund, stimmschädigend und fürs Publikum eine Qual. (siehe unten*)

Wenn es weder mit der Zunge noch mit den Lippen „flattern“ will, kann man stattdessen als letzte Möglichkeit folgendes „Lippenzischen“ verwenden: Der Zeigefinger verkleinert die Lippenöffnung, was zu einem Zischgeräusch führt.

2018 Traviata Sepp Koeppel97

Man kann auch schön beobachten, dass Eddie Redmayne ein grösseres Problem seiner Zunge löst, indem er sie beim Singen herausstreckt und festhält.

Hugh Jackman erzählt, dass seine Lieblingsgesangsübung eben dieser „Lip-Trill“ oder „Pigeon“ also das „Gurren der Taube“ ist. Er wundert sich sehr darüber, dass seine Kollegin Sam Barks (übersetzt: „Sam bellt“) so schön wie ein Engel singen kann, aber eine stimmliche Aufwärmübung macht, die klingt wie eine „erwürgte Katze“.

Die Erklärung für dieses Phänomen ist folgende: 

Man muss zeitweise „reckless and ugly“ also „rücksichtslos hässlich“ klingen, damit man die inneren Muskulaturen trainieren kann. Sie können nämlich nur durch ehrliche und manchmal sehr heftige Emotionen angesprochen, bemerkt und gestärkt werden. Das soll dann z.B. klingen wie ein „Babyweinen“ „Uäääääää!“

Übung: Probieren sie es selbst aus!

Singen sie spontan mit den Übungen im Video mit, das zeigt wie Hollywood-Schauspieler zu erfolgreichen Sänger/innen im Musical „Les Miserables“ wurden.

*Einzig Gladiator-Darsteller Russel Crowe, der im folgenden Video Singen als „damn scary“ also „verdammt beängstigend“ empfindet, zeigt, dass er noch nicht im Mix, sondern in einer hochgezogenen Brustimme („pulled up chest voice“ or „Yelling“) seine hohen Passagen als Javert „brüllt“ und dabei seinen nicht verarbeiteten Stimmbruch (0:40) hörbar macht:

Er ist in Mitglied in einer Gruppe von sehr bekannten Schauspielern, die tatsächlich zuwenig gute Gesangsstunden hatten… „Ooops … kann man diesen Weltstars helfen- Ja!“ – „Mit Fleiss und der richtigen Gesangstechnik“

 

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